Wüste, Kamele und Polizeikontrollen

In Isfahan empfängt uns Arman, ein modisch im rosa T-Shirt gekleideter Fashionshopbesitzer, in seiner Wohnung. Da es schon fast zwei Uhr morgens ist, halten wir den Small Talk small und legen uns bald schon auf den Teppich.

Am Dienstag Morgen brechen wir auf, um die Stadt zu erkunden, die für zahlreiche architektonisch interessante Brücken und dem weltweit zweitgrössten öffentlichen Platz bekannt ist. Dem Fluss, der die Brücken einst umspülte, würde vor sechs Jahren sprichwörtlich der Hahn zugedreht; das Flussbett liegt trocken. Dies gibt uns die Möglichkeit, die Brücken nicht nur über- sondern auch zu unterqueren. Der Imamplatz mit seinen 510×160 Metern präsentiert sich wunderbar aufgeräumt und ist umrandet von touristischen Läden, deren Besitzer aber nicht den Anschein machen, als würden sie ernsthaft ihre Ware verkaufen wollen. Vielmehr lassen sie sich auf Gespräche über die Schweiz und den Iran ein, üben mit uns ein wenig Englisch und lassen uns überraschend einfach weiterziehen.

Vor der Imam Moschee passieren uns dann prompt zwei Anfängerfehler: aufgrund einer sprachlichen Schwäche von entweder einem Studenten, der seine Englischkenntnisse verbessern möchte oder uns (denken wir aber nicht), verstehen wir letztendlich, dass die Moschee erst in einer Stunde für Touristen geöffnet ist. Getrieben von unserem Hunger betreten wir das Restaurant direkt neben der Moschee, welches zu unserer Überraschung trotz Ramadan geöffnet ist. Darin erwarten uns Esstische (wie in Europa) und auf den sonst üblichen Teppichen plastikverschweisste Sitzkissen (wie in Amerika). Zusammen mit dem teuren aber nicht gerade sternewürdigen Essen stellen wir wohl oder übel fest, dass wir vier Touristen in die Falle getappt sind. Wohlgenährt und gespannt auf die Moschee stellen wir vor eben dieser fest, dass der junge Student wohl meinte, dass sie in einer Stunde schliesst. Also wird das Vorhaben auf morgen Morgen verschoben.

Gegen Abend führt uns Arman zu einer Autogarage, welche unsere Klimaanlage innert 20 Minuten durch Nachfüllen des Kältemittel wieder auf Touren bringt. Zum Znacht beschliessen wir, auswärts essen zu gehen, um das Fastenbrechen um ca. 21 Uhr während des Ramadans live mitzuerleben. Nach einer Irrfahrt quer durch Isfahan sind wir schlussendlich fast die einzigen Gäste in einem kleinen imbissartigen Restaurant. Umso besser ist der Besuch des Wasserpfeifenlokals nach dem Essen. In dem Lokal sitzen etwa 40 Männer (den Frauen hier ist kein Zutritt gewährt) von denen 35 eine eigene Pfeife vor sich stehen haben und 4 Zigaretten rauchen. Einer ist wohl auf dem WC. Wir bestellen uns zu viert zwei Portionen und outen uns somit definitiv als Touristen. Nichtsdestotrotz führen wir interessante Gespräche mit Gewächshausingenieuren, Buchautoren und Schuhverkäufern. Den belebten Tag lassen wir mit diesen humorvollen Herren bei Tee und Rauch ausklingen.

Am Mittwoch stehen wir früh auf und stehen rechtzeitig vor der Imam-Moschee. Ein Einheimischer führt uns dann „free of charge“ und kompetent durch das gesamte Bauwerk, weist uns auf besondere Merkmale der Mosaike hin und erklärt uns jeden Hof bis ins Detail. Ein unglaubliches Bauwerk, facettenreich aber nicht blosser Prunk – wir möchten gar nicht daran denken, wie viele Arbeitsstunden darin stecken…

Aus „free of charge“ wurde – und dieses Mal nicht aus sprachlichen Schwierigkeiten – eine Forderung von einer Million Rial (€ 25), welche wir auf einen Zehntel hinunterhandeln. Wir feilschen immer besser!

So trennen sich unsere Wege um 12 Uhr mittags, der Guide postiert sich „free of charge“ wieder vor der Moschee und wir verlassen die Stadt. Grundrichtung: Turkmenistan. Distanz bis dahin: 1500km.

 

Der Mittwoch Nachmittag besteht vor allem darin, die Wüste zu durchqueren. Jeder Iraner, dem wir unsere Route erklären, warnt uns vor der Langeweile und Öde dieser Strecke. Wir lassen uns nicht beirren und geniessen die rund zweitägige Fahrt. Als Schweizer findet man eben sogar eine Wüste spannend.

Die Reparatur unserer Klimaanlage ist Gold wert – bei den kurzen Tank- oder Fahrerwechselstopps haut uns die Hitze jeweils fast um. Gegen Abend kommen wir in die Gegend von Mo’alleman und können eine Kamelherde bestaunen. Um sie besser fotografieren zu können fahren wir bis auf ca. 25m an die Tiere heran. Zu unserer Überraschung stört das die Tiere überhaupt nicht, unser Auto aber umso mehr. Wir versinken im Sand und der bisher tadellose Heckantrieb unseres Toyota bewegt uns keinen Zentimeter mehr. Nachdem wir den Sand unter den Rädern wegschaufeln und zwei Holzbretter unterlegen kommen wir zum Glück wieder aus dem Sand heraus und machen uns auf den Weg, um einen geeigneten Platz für die Übernachtung zu finden.

Kaum sind die Zelte in einer idyllischen Hügellandschaft mitten in der Wüste Irans aufgeschlagen machen wir uns an die Hausarbeit. Unsere schmutzigen Kleider befanden sich während der Fahrt zusammen mit 40 Liter Wasser und Waschmittel in einer UTZ-Kiste auf dem Dach unseres Autos und wurden während rund vier Stunden gewaschen (oder besser gesagt: sie riechen wieder gut). Mit frischen Kleidern im Gepäck und feinen Spaghetti an einer Thon-Tomaten-Sauce im Bauch gehen wir in den Schlafsack.

Am Donnerstag – wir fahren über Shahrud und Sabzevar weiter Richtung turkmenische Grenze – erleben wir eine Première: Zum ersten Mal nach 8’000 km werden wir (zwei Mal) von der Polizei angehalten. Bei der ersten Kontrolle fragen die Polizisten nach unserem Ziel und erklären uns anschliessend den Weg (inkl. Kroki!). Von Fahrzeugpapieren, Führerausweisen oder Versicherungsdokumenten keine Spur. Bei der zweiten Kontrolle grinst der Polizist nur und sagt: „Hello, go!“

Heute ist bereits unser letzter Abend in Iran. Landschaftlich ist das Land äusserst abwechslungsreich, die Städte sind spannend und was uns am meisten aufgefallen ist: Die iranische Bevölkerung war während diesen 10 Tagen ausnahmslos freundlich und hilfsbereit gegenüber uns.

Wir verlassen den Iran nur ungern, freuen uns aber auch riesig auf den nächsten Staat: Turkmenistan.

 

Beste Grüsse, 

Team Sibil (Schnauz in Farsi)

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