Kirgistan – Tierische Attacke, Immodium und 4 Cowboys

Tashkent ist durch verschiedene Ereignisse (u.a. Erdbeben) städtebaulich immer wieder zurückgeworfen worden und besitzt heute keine klassische Altstadt. Wir machen uns mit dem öV auf ins Zentrum und sind überrascht von den vielen grünen Parkanlagen mitten in der Stadt. Kulturtechnisch haben Bukhara und Samarkand aber mehr zu bieten und wir sind von der usbekischen Hauptstadt wenig begeistert. Am Abend treffen wir Tanya wieder und fragen sie über alte Sowjetzeiten aus. Tanya hat dazumal als Radtourguide gearbeitet (einen Tag in der Woche, jedoch mit einem 100% Lohn), eine Wohnung zu einem günstigen Preis kaufen können und die Lebensmittelmarken kreativ eingesetzt (aus einer „1“ eine „4“ gezeichnet und schon erhielt sie die vierfache Ration Reis, Zucker etc.). 

Am Freitag besuchen wir einen Fleischbasar im Süden Tashkents und decken uns für das bevorstehende Camping ein. Die Route führt uns nach Südosten über den Kamchikpass, wo wir oft von der Polizei angehalten und unsere Personalien aufgenommen werden. Diese Region wird deshalb von der Polizei vermehrt kontrolliert, weil sie sich nahe der tadjikischen Grenze befindet und als Drogenschmuggelkorridor genutzt wird. Nach der Passüberfahrt befinden wir uns im Ferganatal. Es wird als die Oase Usbekistans bezeichnet und hat dank der landwirtschaftlichen Nutzbarkeit eine hohe Bevölkerungsdichte. Wir jagen das Auto einen Hügel hinauf und finden auf der Kuppe einen perfekten Campingort, von wo aus wir das gesamte Tal überblicken können.

Das Nachtessen hält sich in Grenzen. Nach über drei Wochen Reise spüren wir zum ersten Mal unsere Mägen und Immodium ist immer in Griffnähe.

Die Samstagsetappe ist sehr kurz. Wir wollen nur über die Grenze und in die nahe gelegene kirgisische Stadt Osh. Am Grenzübergang interessieren sich die beiden kirgisischen Zöllner nur für zwei Dinge: unseren Fussball und die Ukulele. Der eine Zöllner greift sich unseren Ball und verkündet: „This is present for me!“, während der zweite auf der Ukulele zu spielen beginnt. Nach einer anstrengenden Diskussion können wir die beiden überzeugen, dass wir sowohl Ball wie auch Ukulele unbedingt benötigen und sie ihnen leider nicht schenken können. Grimmig lassen sie uns ziehen.

In Osh füllen wir als erstes unseren Tank und die vier Dieselkanister. Später besuchen wir den Markt und decken uns mit Esswaren ein, um optimal auf die mehrtägige Fahrt durch die kirgisischen Berge nach Bishkek vorbereitet zu sein. Am Abend schlagen wir uns die Bäuche mit Dim Sum voll (Immodium sei dank) und landen wenig später in einer Bar. Wir freunden uns mit ein paar jungen Kirgisen an und der Abend endet mit einem Breakdance-Duell. Wir schicken unseren Trumpf auf die Tanzfläche und Adi legt eine gewaltige Show hin! Wenig beeindruckt schnürt sich der 16-jährige Kirgise seine Sandalen (!) und wirbelt sogleich auf Füssen, Händen, Rücken und Kopf über den Boden. Wir mussten die Niederlage eingestehen, aber Adi hat unsere Ehre gerettet.

Am Sonntag Vormittag verlassen wir die Zivilisation in Osh und machen uns auf den Weg in die Berge. Im Kürp-Say Reservat schlagen wir unsere Zelte an einem wunderbaren Bergsee auf und kühlen uns gleich mal im See ab. Beim Abwaschen nach dem Nachtessen greift uns eine Riesenspinne an! Die vier Bear Grylls werden zu vier Pandabären und nachdem die Sandalen durch festes Schuhwerk ersetzt wurden und der Schock mit einem Schluck Wodka verdaut war geht der Abwasch weiter.

Nach einem Morgenbad im See schlägt das Wetter am Montag um. Die Temperatur sinkt und Regen setzt ein. Auf unserer Fahrt in die Nähe des Song-Köl überqueren wir den 3184 Meter hohen Pass Ala-Bel. Weit und breit grüne Wiesen und abertausende Schafe. Der Zufall will es, dass wir gerade während den Vorbereitungen für ein Polospiel in Kyzyl-Oy ankommen. Wir beschliessen spontan ein paar Dosenravioli (unsere eiserne Reserve wird also für ein Polospiel angestochen) zu kochen und schauen das Spiel. Jede Mannschaft besteht aus drei Reitern und das Ziel ist es, eine tote Ziege auf einen Erdhügel in der Mitte des Spielfeldes zu werfen. Die Reiter hängen links, rechts und unter dem Pferd, während sie die Ziege an sich zu klammern versuchen.

Nach diesem sehr amüsanten Unterhaltungsprogramm fahren wir noch etwas weiter Richtung Song-Köl und übernachten an einem Fluss in der Nähe von Chaek. Nach einem wunderbaren Rührei am nächsten Vormittag reisen wir am Dienstag an den Song-Köl See. Dabei benutzen wir eine Strasse, die auf keiner Karte eingezeichnet ist, aber uns von mehreren Locals empfohlen wurde. Wir steigen auf über 3300 m ü. M. und kommen mit unserem Auto am späten Nachmittag am See an. Bei Nadines Gastfamilie werden wir herzlich empfangen und gleich mit einem kirgisischen Gericht verwöhnt.

Am Mittwoch haben wir Grosses vor: Wir mieten uns vier Pferde und einen 15-jährigen Guide und wagen einen Ritt. Nach zögerlichem Beginn peitscht der 15-jährige unsere Pferde über die Prärie und wir traben und galoppieren unsere Schenkel wund… Die schmerzenden Beine nehmen wir aber erst nach dem Ritt wahr. Während des Abenteuers waren wir voll damit beschäftigt, die Tiere irgendwie zu bremsen oder zumindest in die richtige Richtung zu lenken. Nach 90 Minuten Pferdeabenteuer sind wir alle froh, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben.

Am Donnerstag fahren wir eine andere steinige Piste wieder hinunter ins Tal, passieren Kochkor und machen uns auf den Weg zum Ysyk-Köl, dem grössten See des Landes.IMG_6018 IMG_6088 IMG_6198 IMG_6154 IMG_6257 IMG_6278

2 thoughts on “Kirgistan – Tierische Attacke, Immodium und 4 Cowboys

  1. Das send eifach super Iiträg – Danke vell mol 🙂
    S esch eifach amüsant z wösse dass de Adi breakdance cha oder dasses e Kirgistan anschinend Riisespinne get..x)
    Machets no guet und vell Glöck!

  2. I chami de Surry nur aschlüsse! es esch en mega tolle Blog, rechtig unterhaltsam!
    Vel Spass ou no wiiterhen und chömet weder gsund zrugg! 😉

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