28 Stunden am mongolischen Zoll

So einfach wie wir uns das vorgestellt haben ist der kasachisch-russische Grenzübertritt doch nicht. Das liegt jedoch nicht an den Russen, sondern an der Ausreise aus Kasachstan. Nachdem wir die Mittagspause (bis 14 Uhr!) abgewartet haben, stellen wir unser Auto in eine Lagerhalle, wo es durchsucht wird. Zum Glück hat der Beamte die etwa gleich grosse Lust auf Zollformalitäten wie wir und nachdem er ein paar Kisten kontrolliert hat, lässt er uns wieder gehen. Bei der Passkontrolle wird man fotografiert und nach circa drei Stunden sind wir auf russischem Boden.

Obwohl Novosibirsk nicht an unserer Strecke liegt, beschliessen wir der Stadt einen zweitägigen Besuch abzustatten. Trotz sehr guten Strassen schaffen wir es am Samstag nur bis Barnaul und übernachten in einem Motel direkt an der Hauptstrasse. Während das Motel die Bezahlung mit Kreditkarte akzeptiert, will das Restaurant nur Cash. Da wir zur Zeit nur mit US-Dollars ausgestattet sind, bleibt uns nichts anderes übrig, als auf dem Motelparkplatz (sehr feine) Teigwaren zu kochen.

Novosibirsk ist die drittgrösste Stadt in Russland und hat Einiges zu bieten. Während knapp zwei Tagen schauen wir uns die Stadt an und geniessen die autofreie Zeit. Neben dem kulturellen Teil gibt es aber auch ein paar reisetechnische Sachen zu erledigen. Wir müssen einen Steinschlag in der Windschutzscheibe reparieren, einen zusätzlichen Ersatzreifen kaufen (Berichte über die mongolischen Strassen lassen uns nichts Gutes erahnen), die beiden löchrigen Luftmatratzen ersetzen und unsere Wäsche in eine Waschstube bringen (wir sind aber nach wie vor von der Dachwaschmaschine überzeugt!).

Mit erledigten Pendenzen fahren wir am Dienstag Nachmittag los, südwärts in Richtung der Mongolei. Die knapp 1000 Kilometer bis an die Grenze beschliessen wir in zwei Tagen zurück zu legen. So campen wir nach beinahe der halben Strecke unweit der Hauptstrasse in einem Waldstück. Alleine sind wir dabei allerdings nicht: Tausende Mücken leisten uns Gesellschaft. Die Hauptspeise ist, welch Überraschung, Pasta. Allerdings erlebt unsere Sauce ein Upgrade mit frischen Pilzen, die entlang der Strasse verkauft werden. Mit vollen Bäuchen und halbleeren Antibrummflaschen legen wir uns also auf die neuen Matratzen.

Am Mittwoch fahren wir bis ca. 100 Kilometer vor die Grenze. Die Landschaft ändert sich allmählich vom russischen Sumpfgebiet über sibirische Bergwälder hin zu der Steppe, welche uns in der Mongolei wohl erwartet. Kurz vor Sonnenuntergang schlagen wir unser Camp an einer bewaldeten Felsflanke auf. Lange alleine bleiben wir jedoch wieder nicht: die nächsten 1000 Mücken und zusätzlich 7 Russen gesellen sich zu uns. Mit den einen teilen wir unser Antibrumm, mit den anderen deren Vodka. Wir lassen uns von unseren Freunden erklären, wie man diesen korrekt trinkt und dazu gepökelte Speckschwarte isst. Dazu offerieren sie uns einheimische Nüsse. Wir langen herzhaft zu und merken erst nach dem russischen Gelächter, dass wir die Nüsse inklusive Schale gegessen haben…

Am nächsten Vormittag stehen wir früh auf, verzichten auf das Rührei und begeben uns frühzeitig an die Grenze. Die selbe Überlegung haben leider auch zahlreiche andere Automobilisten gemacht und wir haben ca. zehn Fahrzeuge vor uns bei der Ausreise aus Russland. Nach geschlagenen vier Stunden Wartezeit können wir endlich aus Russland ausreisen. Danach passieren wir ein ca. 25 Kilometer breites Grenzgebiet, bevor wir die mongolischen Beamten erblicken. Wegen den Umbauten an unserem Auto für den fachgerechten Transport der behinderten Kinder, beantragen wir, von den Importsteuern ausgenommen zu werden. Trotz akribischer Vorbereitungen durch das Therapiezentrum, kann die definitive Entscheidung erst vor Ort getroffen werden. Dies dauert einige Stunden und da schon bald Feierabend ist, kann das Prozedere am Donnerstag nicht mehr abgeschlossen werden. Der Zollbeamte erklärt und freundlich, dass wir das Auto im Zoll belassen und zu Fuss ins nächstgelegene Hotel gehen sollen. So sind wir zum ersten Mal ohne unseren Toyota unterwegs… Wir schlagen uns mit Dumplings den Bauch voll und übernachten in einem 1-Zimmer-Hotel für zwei Dollar pro Person.

Rechtzeitig stehen wir am Freitag Vormittag wieder im Zollbüro und beginnen mit dem Prozedere. Damit wir das Auto steuerbefreit importieren können (und somit dem Therapiezentrum einen grösseren Geldbetrag zusätzlich spenden können) müssen wir die Behindertentauglichkeit unseres Fahrzeugs demonstrieren. Dafür räumen wir das gesamte Auto aus und bauen es so um, wie es vom Therapiezentrum für Behindertentransporte gebraucht werden wird. Die Zöllner fotografieren jedes Detail und schicken die Aufnahmen ans Zollministerium in Ulan Bator. Nach 28 Stunden am Grenzübergang erhalten wir eine ernüchternde Antwort. Trotz beschlossener Zollbefreiung fehlt noch die Unterschrift des zuständigen Direktors, welcher an diesem Tag leider nicht im Büro erschienen ist, sodass wir ohne jegliche Dokumente einreisen. Abgeschlossen wird das ganze dann in Ulan Bator, wo uns womöglich nochmals ein Büromarathon bevorsteht.

Entgegen unserer Erwartungen gibt es auch abseits von Ulan Bator asphaltierte Abschnitte, jedoch fahren wir grösstenteils auf anspruchsvollen Holperpisten. So brauchen wir für die ersten 300 km rund 8 Stunden – davon 4 in der Dunkelheit. Nach 4 Tagen ohne Dusche und Internet gönnen wir uns wieder mal ein einfaches Hotel in Khovd. Wir sind gespannt auf die Strassenverhältnisse in den nächsten 5 Tagen nach Ulan Bator und freuen uns auf weitere grandiose Landschaften.IMG_6520 IMG_6546 IMG_6564 IMAG0847 IMG_6573

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